Rausgerutscht

Der Alltag einer schwangeren Mama- und täglich grüßt das Murmeltier

Es regnet, nein, es schüttet… es ist 6 Uhr morgens und ich höre den Wecker unserer Tochter klingeln. Eine gefühlte Ewigkeit vergeht, erst dann verstummt der Weckton und ein leises Knarren des Bettes bestätigt mir, dass sie endlich aufsteht.

Ich gehe zum Bad, der kleine Mann lässt mich dabei nicht aus den Augen und gibt ein leidiges „Maaaamaa“ von sich…. auch der Herzmann ist wach, er bereitet sich auf den Arbeitstag vor und versucht den wimmernden Sohnemann mit einem Keks aufs Sofa zu locken.

Ich betrete die obere Etage und suche Kleidung für das Schulkind und den Kindergarten-Hasser aus dem Schrank, noch immer klopfen Regentropfen an die Scheibe und ich höre unten ein Wuseln auf dem Sofa. Das Schulmädchen hat es sich mit Decke gemütlich gemacht, während der kleine Räuber lauthals nach „Seeeemmm“ schreit. Nachdem der Herzmann das Haus verließ, versuche ich die Kinderschar zum Anziehen zu animieren, dabei versuche ich mit mehrmaligen Nachfragen das gewünschte Frühstück zu entlocken. Zur Auswahl steht Müsli, ein Marmeladen-Toast oder Kellogs… währenddessen sprudelt der Wasserkocher und ich packe die Lunchboxen in die Taschen der Kinder.

Nach mehrmaligen daran erinnern, zieht sich endlich das Schulkind an und ich widme mich dem keksverschmierten Windelkind. Tagsüber klappt es windelfrei echt gut, doch von der Nacht sind wir meilenweit entfernt. Natürlich habe ich den kleinen Windelmann schneller angezogen und frisch gemacht, als unser Schulmädchen ihre Socken anzieht…nebenbei läuft Kikaninchen…ich glaube da liegt der Hund begraben, denn sonst würde es bestimmt auch schneller gehen.

Ich bereite das Frühstück vor. Müsli und warmer Tee landen auf dem Tisch, es ist mittlerweile 6.30 Uhr, genügend Zeit, dass auch Mama etwas essbares in den Magen bekommt. Spätestens 6.45 Uhr muss ich jedoch im Bad verschwunden sein, um nicht mit Schlafshirt und Kuschelsocken an der Schule zu stehen. Es wird knapp, ich rufe zum gefühlten 100.Mal unsere Tochter ins Bad „Zähne putzen, Haare kämmen, lossss“ Sie kommt, und rennt mit der Zahnbürste zurück ins Wohnzimmer. Noch immer sitzt unser „Feuerwehrmann- Seeeeemm“ mit Lätzchen inklusive Auffangschale (GOLDWERT das TEIL ) vor seiner Müsli-Schüssel und schaut währenddessen eine Folge von Feuerwehrmann Sam auf dem Laptop. Ich mache mich hübsch, ich versuche es jedenfalls und so kommt es schon mal vor, dass ich vergesse auf einen Auge Mascara aufzutragen, während ich die Haare unseres Schulmädchens entwirren muss.

7 Uhr.. es regnet wie in Strömen, ich nehme den Schirm flitze zum Auto und hole meine Softshell-Jacke raus. Durch das angeklappte Fenster höre ich bereits den Kleinen schreien, ich vermute, er hat mich mit Schirm am Auto gesehen und denkt „Mama verlässt mich“…doch Fehlanzeige.

Das Schulkind meinte es gut, sie wollte schon den Laptop und das Licht ausschalten und somit den Aufbruch ankündigen. Tja, der kleine Mann fand dies mehr als störend, weder Sam noch das Müsli waren zu Ende. Somit einen schreienden 2-jährigend auf den Arm nehmen, ihm das Regenwetter zeigen und mit einem bunten Schirm locken, um ihn anschließend in die geliebte Feuerwehr-Softshell-Jacke zu pressen.

Das Schulmädchen sitzt weinerlich auf der Treppe weil sie die neuen Sneakers nicht aufbekommt und reinschlüpfen kann. Somit den jungen Mann anziehen, das Gewimmere und Geschimpfe der großen Maus ertragen und dabei die Zeit im Nacken zu haben…. Check…der kleine Mann ist fertig, ich stelle ihn mit Schirm vor die Haustür unter das Vordach und entknote die höheren Sneakers meiner Tochter. Eine gefühlte Ewigkeit vergeht und der erste Schuh sitzt „Mama, mach mir schnell die Schleife“…puhh, also bücken geht zwar noch wunderbar, aber dieser Zeitdruck und die Tatsache, dass der kleine Mann draußen vor der Tür steht… mir wird kurz schwarz vor Augen, doch schnell war ich wieder wach, als ich den kleinen Mann im strömenden Regen OHNE Schirm im Hof stehen sehe. Ich höre ein Schreien aus dem Haus „Mama, welche Jacke?“… ich antworte kurz, schließe die Tür hinter mir zu und nehme einen Korb (mit Windeln, Kindergartenrucksack und eine grünen Gurken) in den Arm. Das Schulmädchen fließt mit Ranzen zum Auto und rennt dabei fast den kleinen nassen Zwerg um… ich fordere ihn auf schneller zu laufen und halten mit der anderen Hand den klapprigen Schirm schützend über ihn. Die Mütze ist bereits durch und auch die Hose scheint dunkler als sonst. Wir sitzen im Auto…endlich, es regnet und regnet und wir fahren los. „Mama, wann klingelt es?“ … „in 12 Minuten“….doch der 5km lange Weg ist dabei nicht das Problem, sondern die Eltern, die ihre Kinder direkt an der Schultreppe mit dem Auto abliefern und dabei die ganze Innenstadt lahm legen. Die Schule ist in Sicht, jedoch dauert es 2 Minuten um überhaupt die letzten 20 Meter zur Schuleinfahrt zu schaffen. Die Autos türmen sich schon, man sieht nur flitzende Regenschirme die einfach die Straße kreuzen.

Es ist 7.15 Uhr und wir erreichen endlich den Parkplatz, die Straße dorthin ist zugeparkt, teilweise stehen die Autos auf der Hauptstraße, da sie einfach nicht auf den Parkplatz einbiegen könne. Ich parke ein, flitze aus dem Auto, öffne den Kofferraum und setzen den Ranzen unserem Schulmädchen auf. Bis zum Schulgebäude sind es nur wenige Meter, aufgrund der vielen Autos bringe ich aber täglich das Schulkind bis an die Eingangstür des Schulhofes. Der Terrorzwerg dabei auf dem Arm, in der anderen Hand den Schirm… die 10-20 Meter strecken sich und wir warten einige Sekunden um die Straße überqueren zu können. Ein kurzer Abschiedskuss und das große Mädchen verschwand in der Menge im Schulgebäude. Erste Hürde geschafft. Schon auf dem Rückweg säuselt der kleine Mann immer wieder „Hause, Hause, Hause gehn“ mein Mamaherz bricht und ich versuche ihn dennoch Lust auf die Kita zu machen. Denkst!!! Im Auto laufen bei ihm die ersten Tränen und immer wieder sagt er „Hause..Hause…“ vom Parkplatz bis zur Hauptstraße stehe wir ein wenig im Stau, noch immer sind die Straßen voll, da immer noch Eltern ihre Kinder direkt an der Schule abliefern müssen oder wieder in Aufbruchstimmung sind.

Es regnet noch immer, Arme und Füße sind bereits nass und die Frontscheibe beschlägt von innen. Wir fahren den kleinen Berg an der Kita hinab und ich höre vom Rücksitz ein leises Weinen und immer noch „Hause Hause Hause“. Ich parke ein, renne zum Kofferraum und nehme den Schirm und den Einkaufskorb raus. Die Ohren des Kikaninchens schauen aus dem Kindergartenrucksack und sind bereits dunkelblau. Der Kindergarten-Hasser lässt sich nicht abschnallen, er macht sich steif und weint. Seine Jacke ist klamm und auch seine Mütze hat eine dunklere Farbe angenommen. Es hilft nichts, ich versuche den kleinen Zwerg, auch wenn es mir so schwer fällt, aus dem Autositz zu bekommen. Ich locke ihn mit den Enten und dem Regenschirm und nehme ihn auf den Arm. Er wiederholt zum 100. Mal „Hause…“ und ich greife mit der anderen Hand nach dem schweren Korb mit der Jumbo-Packung Windeln. Ich bin müde, kraftlos und mein Herz blutet, doch in muss es bis zur Kita schaffen. Es sind nur ein paar Meterm Schritte…doch der Weg ist beschwerlich. Zahlreiche Pfützen, wahre Überschwemmungen durchziehen den löchrigen Parkplatz. Der kleine Mann auf Mamas-Arm mit dem geliebten kleinen Auto in der Hand. Korb und Kind werden schwer, ich rede innerlich zu mir „nur noch paar Meter… gleich geschafft“, doch in der Kita angekommen brüllt der kleine Sonnenschein los, weil Mama den Schirm draußen lassen muss, weil ich in die Garderobe muss und dort ausgezogen wird.

Er schreit, andere Eltern schauen…doch dies ist mir egal….anders bin ich es nicht gewöhnt… ich versuche ihn zu trösten, doch er schmeißt sich auf die Erde und weint…bitterlich. Ich lese ihm, wie jeden Tag, dass Mittagessen vor, packe seine Brotdose aus und zeige ihm das nasse Kikaninchen. Er beruhigt sich, isst eine kleine Tomate, lässt sich die Hausschuhe anziehen und das Info-Blatt mit der Zecke zeigen (unser tägliches Ritual)…dann eskaliert es wieder, ich muss ihn im Gruppenraum absetzen und den Einkaufskorb auspacken. Er weint, schreit und lässt sich nur mit Not von seiner Erzieherin hoch nehmen. Ich gehen und sehe ihn im Augenwinkel auf dem Arm seiner Erzieherin Richtung Fenster gehen. Dort schauen sie immer nach der Nachbarskatze, doch heute wird diese bei strömenden Regen nicht auffindbar sein. Ich höre ihn schreien und verlasse das Gebäude. Der Regen wird weniger und ich schnappe mir meinen Schirm. Geschafft. Der schwerste Teil meines Tages ist geschafft..doch mein Herz blutet.., warum fällt ihm der Gang in die Kita nur so schwer?

Es ist 7.45 Uhr und ich sitze im Auto.. es hört auf zu Regnen, meine Stimmung hängt immer noch hinterher, doch ich weiß, wenn ich nachher 15 Uhr den kleinen Racker hole, dann erwartet mich ein freudestrahlendes Kerlchen, dass Spaß im Kindergarten hatte.

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